So wird’s gemacht

Flexible Arbeitszeitmodelle gibt es viele. Wenn Sie auf der Suche nach Lösungen sind, die Ihnen noch mehr Spielraum geben, ist es sinnvoll, sich zunächst die Bandbreite der gängigen Modelle vor Augen zu führen. Deshalb haben wir die folgende Auswahl für Sie zusammengestellt. Einige der Modelle werden Sie bereits umsetzen, andere haben Sie vielleicht noch nicht in Erwägung gezogen. Lassen Sie sich inspirieren.

Bausteine

Teilzeit

Die Teilzeit ist wohl der Klassiker unter den flexiblen Arbeitszeitmodellen. Sie umfasst jede Arbeitszeit, die geringer ist als die betrieblich vereinbarte Regelarbeitszeit. Teilzeit bietet viele Flexibilisierungsmöglichkeiten. Neben der klassischen Halbtagsvariante sind z.B. auch Arbeit an einzelnen fixen Tagen pro Woche oder Arbeit und Freizeit abwechselnd in einem Blockmodell denkbar.

Gleitzeit

Zeitig kommen, um früher wieder zu gehen, später kommen und länger da bleiben oder kombiniert miteinander – das ist die Kernidee der Gleitzeit. Mit Gleitzeit können Mitarbeitende bis zu einem gewissen Rahmen die Lage und Dauer ihrer Arbeitszeit selbst bestimmen. In der Praxis bedeutet dies, dass Vorgesetzte keine konkreten Zeiten vorgeben, wann der Arbeitstag beginnt und wann er endet. Beschäftigte gewinnen so mehr Einfluss auf ihre tägliche, wöchentliche oder auch monatliche Arbeitszeit und können diese freier verteilen und variieren. Für einen reibungslosen Betriebsablauf wird die Gleitzeit meist mit einer Kernarbeitszeit kombiniert, in der grundsätzliche Anwesenheitspflicht besteht. Ein Beispiel: Die Kernarbeitszeit geht von 10 Uhr bis 15 Uhr, hier besteht Anwesenheitspflicht. In der Gleitzeit von 6 Uhr bis 10 Uhr können die Beschäftigten variabel ihre Arbeitszeit beginnen und zwischen 15 Uhr bis 19 Uhr beenden.
Die täglichen Arbeitszeiten werden mit Hilfe eines Arbeitszeitkontos festgehalten. Hilfreich sind Regelungen, wie viele Plus- und Minusstunden angesammelt werden können und innerhalb welches Zeitraumes sie wieder ausgeglichen werden sollen. Das schafft für beide Seiten Transparenz und Klarheit.

Funktionszeit

Die Funktionszeit ist eine erweiterte Variante der Gleitzeit. Statt einer Kernarbeitszeit gibt es betrieblich vereinbarte Funktionszeiten, zu denen die jeweiligen Betriebsbereiche funktionsfähig sein müssen. Nicht nur Dauer und Lage der Arbeitszeit werden ohne Vorschriften der Vorgesetzten autonom vom Team festgelegt, sondern auch die Urlaubs- und Anwesenheitszeiten an bestimmten Tagen. Das schafft ein großes Maß an Zeitsouveränität, erfordert aber auch ein gut strukturiertes Team mit klaren Absprachen. Es eignet sich besonders für Arbeitsbereiche, in denen sich Kolleginnen und Kollegen fachlich gegenseitig vertreten können.

Jahresarbeitszeit

Bei diesem Modell wird auf eine festgelegte Wochen- oder Monatsarbeitszeit ganz verzichtet. Stattdessen muss die vereinbarte Arbeitszeit im Jahresdurchschnitt erfüllt werden. Unabhängig von der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit wird das Gehalt kontinuierlich in gleicher Höhe ausbezahlt. Diese Variante eignet sich besonders für Unternehmen mit starken (saisonalen) Schwankungen. Das Unternehmen hat nun die Möglichkeit, die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit in Zeiten mit starken saisonalen Auftragsspitzen zu erhöhen und sie in Zeiten mit geringer Auslastung zu senken.
Achten Sie darauf, dass nicht über einen längeren Zeitraum 10 Stunden pro Tag gearbeitet wird. Das gefährdet die Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden und kann ihr Ausfallrisiko erhöhen. Die anfallenden Überstunden sollten innerhalb eines Jahres ausgeglichen werden, damit das Modell auch Ihre Beschäftigten zufriedenstellt.

Vertrauensarbeitszeit

Bei diesem Modell organisieren die Beschäftigten ihre Arbeitszeit weitgehend autonom und eigenverantwortlich. Im Vordergrund stehen Zielvereinbarungen, die in einem bestimmten Zeitrahmen erfüllt werden müssen. Vorgesetzte verzichten auf die Kontrolle, ob die Beschäftigten ihre vertraglich vereinbarte Arbeitszeit tatsächlich erfüllen. Wann und wo die Mitarbeitenden arbeiten, bleibt weitestgehend ihnen selbst überlassen. Der Name ist Programm: Als zentrale Voraussetzung ist Vertrauen zwischen Vorgesetzten und Beschäftigten ebenso wie eine hohe Selbstorganisation der Mitarbeitenden wichtig.
Zielvereinbarungen müssen realistisch und einvernehmlich getroffen werden, sonst steigt das Risiko entgrenzter Arbeit und damit verbunden die Wahrscheinlichkeit einer gesundheitlichen Gefährdung Ihrer Beschäftigten.

Wahlarbeitszeit

Dieses Modell kommt vor allem in Betrieben zum Einsatz, die an feste Öffnungszeiten gebunden sind. Die Betriebszeit wird in Module aufgeteilt. Für Zeiten, in denen erfahrungsgemäß mehr zu tun ist, wird dementsprechend mehr Personal eingeplant als für Zeiten mit geringer Nachfrage. Die Beschäftigten können sich individuell für die Zeitmodule eintragen und stimmen ihren Einsatz untereinander oder mit ihrer Führungskraft ab. Alle Zeitmodule müssen abgedeckt werden. Dieses Modell kann sowohl an ein Jahresarbeitszeitkonto gekoppelt sein als auch an feststehende Wochenarbeitszeiten.
Da alle Zeitblöcke abgedeckt werden müssen, sollte sich die Gruppe der Beschäftigten bestmöglich heterogen zusammensetzen. Eine altersgemischte Belegschaft in verschiedenen Lebensphasen hat meist unterschiedliche Tagesabläufe und damit unterschiedliche Präferenzen für den Arbeitseinsatz.

Versetzte Arbeitszeit

In manchen Branchen kommt man um Schichtarbeit nicht umhin. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten, durch versetzte Arbeitszeiten mehr Flexibilität in vermeintlich starre Modelle hineinzubringen. Dabei werden innerhalb der Betriebszeit verschiedene Arbeitszeitblöcke mit festen Anfangs- und Endzeiten gebildet, die sich zu Beginn- und Endzeiten teilweise überlappen. Die Zeitblöcke an sich können unterschiedlich lang sein und richten sich nach dem jeweiligen Personalbedarf zu bestimmten Zeitpunkten. Betriebe können so ihre Betriebszeiten ausweiten und auf einen stark variierenden Personalbedarf im Tagesverlauf flexibel reagieren, z.B. durch einen geschickten Einsatz von Vollzeit-, Teilzeit- und Aushilfskräften. Versetzte Arbeitszeiten bieten sich besonders für den Handel, im Logistikbereich und Dienstleistungssektor an.

Jobsharing

Ein Job – zwei Beschäftigte. Jobsharing ist eine spezielle Form der Teilzeitarbeit, bei der sich mindestens zwei Beschäftigte eine Arbeitsstelle teilen. Wie viele Stunden die gemeinsame Arbeitszeit beträgt, ist variabel. So können sich zwei Beschäftigte z. B. 70 Stunden teilen oder auch nur 40 Stunden. Innerhalb des gesetzlichen Rahmens können die Job-Sharenden ihre Aufgaben und Arbeitszeiten selbst bestimmen. Eine gute Selbstorganisation sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sind dabei wichtige Voraussetzungen. Jobsharing eröffnet Teilzeitarbeitskräften die Möglichkeit, an großen Projekten mitzuarbeiten und als Tandem bzw. Team verantwortlich zu leiten.

Telearbeit

Arbeiten von Zuhause aus – dank moderner Kommunikationstechniken kann auch der Arbeitsort flexible gestaltet werden. Telearbeit bedeutet, dass die anstehenden Aufgaben außerhalb der Räumlichkeiten des Unternehmens erledigt werden. Unterschieden werden dabei zwei Formen: ständige Telearbeit und alternierende Telearbeit. Bei Letzterem werden Arbeitsaufgaben teilweise Zuhause, teilweise im Büro erledigt. Wann und wo gearbeitet wird, z. B. ob drei Bürotage und zwei Telearbeitstage vereinbart werden oder ob nach zwei Wochen arbeiten im Büro drei Wochen daheim folgen, sprechen Vorgesetze und Beschäftigte miteinander ab. Die Zeiterfassung übernehmen die Mitarbeitenden selbständig.